Marc Steiner
Marc Steiner

Technologiefirma MicroStrategy kauft Bitcoin (und niemand interessiert’s)

Diesmal schreibe ich einen etwas anderen Artikel in meinem Bitcoin Blog als sonst (https://marcsteiner.tech/blog). Es geht nicht um Technologie per se, stattdessen möchte ich die Gedankengänge und wichtigsten Informationen rund ums Thema «MicroStrategy kauft Bitcoin» zusammenfassen. In den vergangenen Tagen kam ein Podcast-Interview mit dem MicroStrategy-CEO Michael Saylor heraus, das hochspannend ist und zum Nachdenken anregt.

Perfekt, um sich einmal genauer anzuschauen, wer MicroStrategy ist, warum und wie sie Bitcoins gekauft haben und was das für die Community bedeutet. Legen wir los!

Micro- Wer?

Falls du es verpasst hast: Die Technologiefirma MicroStrategy kaufte Bitcoin (Presserelease) im Wert von rund 425 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen besitzt nun rund 38,250 Bitcoins (21,454 Bitcoins aus einer ersten Kaufphase und 16,796 Bitcoins aus einer zweiten Phase). Doch wieso ist das nun ein spezielles Ereignis, über das man schreiben sollte? Ganz einfach: Aus meiner persönlichen Sicht ist es enorm spannend, nicht nur die Gedankengänge dieses Vorgangs zu verstehen, sondern auch wie das Ganze abgewickelt wurde. Man kauft nicht einfach mal so bei einer Exchange 38,250 Bitcoins.

Doch irgendwie scheint das Thema niemanden zu interessieren. Das kann täuschen. Forbes, Fortune und weitere grosse Blätter haben zwar darüber geschrieben, aber ausserhalb der Bitcoin-Szene geht das Interesse gegen null, so jedenfalls mein Gefühl aus diversen Gesprächen.

Wahrscheinlich haben die wenigsten je von dieser Firma gehört, einschliesslich mir. Sie ist an der NASDAQ gelistet, hat rund 2.600 Mitarbeiter und ist weltweit als multinationaler Softwarehersteller tätig. Mehr Informationen findet man hier https://www.microstrategy.com/de/company. Spannend finde ich aber, wer die Hauptaktionäre sind. Man kann als Firma nicht einfach mal so 425 Millionen für ein «Ponzi scheme Bitcoin» ausgeben, ohne dass die Hauptaktionäre mitmachen. Die drei grössten Hauptaktionäre gehören weltweit zu den grössten und wichtigsten Finanzdienstleistern überhaupt (Quelle):

  • BlackRock (rund 15 %)
  • The Vanguard Group (rund 11 %)
  • First Trust (rund 10 %)

Die News über die beiden Käufe im August und September hatten auch ihren Einfluss auf den Aktienkurs – und zwar positiv! Das Volumen war ebenfalls überdurchschnittlich gross.

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Starker Anstieg des Aktienkurses nach dem bekanntwerden der Bitcoin Käufe.

Die Gründe des Kaufs

MicroStrategy kauft Bitcoin, wieso? Vereinfacht gesagt, haben sie ein Luxusproblem: MicroStrategy hat ein profitables Produkteportfolio, das sie auch während der Coronakrise sehr gut verkaufen können, weil Software digital und automatisiert vertrieben werden könne, meint der CEO.

Zudem haben sie grosse Kunden wie Banken oder Regierungen, die über genügend finanzielle Mittel für ihre Produkte verfügen. Gleichzeitig aber fallen verschiedene Millionen-Ausgaben für Reisen weg, was die Firma effizienter machte und in immer grösseren Cashreserven endete. Sie stellten sich dann die Frage, was man mit immer mehr Geld macht und kamen zur Feststellung: «You can’t hold cash!»

Wieso haben sie nicht einfach in «altbekannte Assets» investiert? Michael Saylors Argumente wirken durchdacht:

  • Aktien-Rückkaufprogramme dauern wegen der Liquidität zu lange (Aussage hier)
  • Immobilien sind überbewertet (Aussage hier)
  • Aktien anderer Firmen haben kein grosses Potential nach oben (Aussage hier)
  • Bitcoin ist 1000x besser als Gold (Aussage hier)

Wie wurden die Bitcoins gekauft?

Es war ein Prozess über mehrere Monate. Der Verwaltungsrat, das Top-Management und weitere wichtige Personen mussten sich auf Anordnung mit dem Thema Geldpolitik, Bitcoin und der aktuellen Marktsituation auseinandersetzen. Sie hätten diskutiert, die Möglichkeiten sehr konkret abgewogen und seien am Schluss bei Bitcoin gelandet. Der genaue Prozess, wer beim Kauf involviert war und wie sie die Bitcoins sicher verwahren, wurde aus Sicherheitsgründen nicht erwähnt.

Sie sahen also das grösste Potential bei Bitcoin! Es war kein spontaner Einfall, sondern ein klar abgesprochener und bewusst getroffener Entscheid!

MicroStrategy kaufte die Bitcoins aber nicht auf einmal. Das würde erstens den Marktpreis sofort nach oben schiessen lassen und zweites muss man zuerst einmal so viel Bitcoins bekommen. Sie haben also Tag und Nacht, jede Stunde, jeden Tag, jede Woche regelmässig Bitcoins gekauft und so langsam die gesamte Anzahl akquiriert (Aussage hier). Ein Rat vom CEO Michael Saylor an andere Firmen lautet deshalb: Der ganze Prozess inklusive rechtlicher Themen (Stichwort KYC) dauert zwischen 6-12 Monate, das geht nicht einfach von heute auf morgen (Aussage hier)

Bitcoin ist gekommen, um zu bleiben

Es handelt sich nicht mehr um eine «Spielerei» oder ein «Ponzi scheme», sondern grosse Firmen investieren immer mehr in Bitcoin. Wer das Thema weiterhin ignoriert oder belächelt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Das Interview enthält noch mehr spannende Aussagen, die erklären, wieso eine Firma Bitcoin kaufen sollte, wieso Bitcoin wichtig ist und wie man eine Technologie-Firma über Jahrzehnte aufbaut und erfolgreich macht. MicroStrategy kauft Bitcoin, welche grosse Firma ist die nächste?

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Marc Steiner
Marc Steiner

Bitcoin-Berater & Digital-Experte

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