Marc Steiner
Marc Steiner

Was ist eine Seed-Phrase

Automatisches Backup dank Seed-Phrase

Um auf den Punkt zukommen: Eine Seed-Phrase ist dein automatisches Backup deines Bitcoin-Wallets.

So einfach wie das klingt, so verwirrend ist diese Aussage für die meisten Personen. Ich möchte dir nachfolgend erklären, wieso die Seed-Phrase dein automatisches Backup ist.

Gut zu wissen: Mnemonische phrase, Mnemonic, Mnemonic Seed, Mnemonic Seed Phrase, Seed Key oder Recovery Phrase sind einfach Synonyme und meinen alle die 12 oder 24 Wörter lange Seed-Phrase.

Aus meinem Buch Kryptos verwahren und vererben.

Backups sind wichtig

Stell dir vor, du verlierst die Zugangs-PIN zu deinem Wallet oder dein Computer mit dem Wallet auf der Festplatte segnet das Zeitliche. Was machst du, um wieder Zugriff auf deine Kryptos zu erhalten? Einen Support gibt es in den meisten Fällen nicht. Deshalb sind Backups zwingend erforderlich. 

In den Anfangszeiten des Bitcoins gab es kein großes Wallet-Angebot, geschweige benutzerfreundliche Sicherungsverfahren. Man musste die Backups regelmäßig von Hand erstellen. Die Verfahren wurden in jüngster Zeit aber einfacher und benutzerfreundlicher. Heutzutage ist praktisch jedes Wallet so aufgebaut, dass beim Einrichten automatisch ein Backup-Prozess gestartet wird. 

Du wurdest, als du dein Wallet in Betrieb nahmst, bestimmt aufgefordert, 12 oder 24 Wörter aufzuschreiben, erinnerst du dich? Diese Wörter nennen sich Seed-Phrase. Diese Seed-Phrase ist dein Backup für alle Transaktionen und Assets, und das lange bevor es irgendwelche Daten im Wallet gibt. Aus Gesprächen weiß ich, dass viele Menschen mit diesem Konzept des automatischen Backups mittels Seed-Phrase anfangs ihre Schwierigkeiten haben. Es ist ja auch verwirrend und kontraintuitiv, schon beim Aufsetzen des Wallets ein Backup für alle zukünftigen Daten zu erstellen. Normalerweise machen wir Backups schließlich erst dann, wenn wir neue Daten, die wir nicht verlieren wollen, erzeugt haben.

HD-Wallets nutzen die Seed-Phrase

Für den Aufbau und die Strukturierung deiner Krypto-Assets verwenden moderne Wallets heutzutage den hierarchisch-deterministischen (HD-) Ansatz.

«Deterministisch» bedeutet in der Informatik, dass ein Algorithmus für den gleichen Input immer den gleichen Output liefert. Auf die Wallets angewendet heißt das, dass man mit der gleichen Seed-Phrase immer den Zugriff auf die gleichen Krypto-Assets hat. «Hierarchisch» spielt auf eine streng gegliederte Rangordnung an, mit der Seed-Phrase als Startpunkt.

Seed bedeutet im Englischen Samen oder Saat. Stell dir einen Apfelbaum vor. Er entsteht aus einem einzigen Samen und wächst mit der Zeit immer höher und verästelt sich immer mehr, bis am Schluss Äpfel an den Zweigen hängen. Bei den HD-Wallets ist das nicht anders: Aus der Seed-Phrase entsteht der Wallet-Datenbaum. Er wächst, wenn du neue Transaktionen durchführst oder Konten anlegst. In dieser Baumstruktur (Derivation Path) organisiert und strukturiert das HD-Wallet deine Sub-Wallets, deine Konten und Adressen.

Eine Seed-Phrase mit 12 Wörtern könnte zum Beispiel folgendermaßen aussehen, die richtige Reihenfolge und korrekte Schreibweise der Wörter sind zwingend (Tool BIP39 Mnemonic Code):

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Kehren wir zu unserem imaginären Apfelbaum zurück. Er steht für unser HD-Wallet. Aus der Saat, der Seed-Phrase, wächst der Stamm, in der Fachsprache der Master-Seed. Ihm entsprießen die verschiedenen Hauptäste mit ihren Zweigen und zuletzt Früchten. Diese Verzweigungen repräsentieren verschiedene Protokolle und Konten deines Wallets.

Der Bitcoin etwa hat sein eigenes Sub-Wallet, auch der Ether hat eines oder der Litecoin. Da die Protokolle der meisten Kryptos untereinander nicht kompatibel sind, brauchen sie eigene Sub-Wallets. Trotzdem gehen auch sie trotz der verschiedenen Protokolle auf die ursprüngliche Seed-Phrase zurück. Die Früchte schließlich sind die Empfangsadressen deiner Kryptos. Wenn du diese versendest oder weitere empfängst, weiß dein Wallet, wo sich diese in der Blockchain befinden. Die hierarchisch-deterministische Baumstruktur, die auf der Seed-Phrase basiert, macht es möglich.

Wallet wiederherstellen mit der Seed-Phrase

Wenn dein HD-Wallet verloren oder kaputtgeht, musst du dir entweder das exakt gleiche Wallet nochmals besorgen – so bist du in jedem Fall auf der sicheren Seite – oder du nutzt eine App, die den Wiederherstellungsprozess durchführen kann, zum Beispiel die Electrum-App.

Mit den Daten über das alte Wallet (Marke, Typ) lässt sich über die Seite https://walletsrecovery.org die herstellerspezifische Baumstruktur nachvollziehen und manuell in Electrum eingeben. Da alle Kryptotransaktionen, die du aus deinem Wallet heraus ausführst, auf der einen Seed-Phrase beruhen, musst du diese dann nur noch in das neue Wallet oder die App eintippen. Die Determiniertheit des Systems sorgt dafür, dass durch die Eingabe des gleichen Inputs die gleichen privaten Schlüssel und somit deine Kryptos als Output herauskommen wie im alten, nicht mehr funktionsfähigen oder verschollenen Wallet. 

Ich empfehle dir mit Nachdruck, diese Variante des Backups zu verwenden. Die Alternative wäre, manuelle Backups zu erstellen, eigenhändig, wie früher. Einige Wallets bieten diese Möglichkeit noch immer und stellen dafür ein File, das meistens den Namen «wallet.dat» trägt, zur Verfügung. Dieses File müsstest du in regelmäßigen Abständen sichern und verwahren. Ein mögliches Problem von manuellen Wallet-Backups könnte aber sein, dass neuere Wallet-Versionen nach langer Verwahrungszeit alte, manuell erstellte Backups aus Sicherheits- oder anderen Gründen nicht mehr akzeptieren. In diesem Fall müsstest du ein Wallet finden, welches die alten Backups noch lesen kann, oder eine kompatible Version deines damaligen Wallets auftreiben. Diesen Mehraufwand ersparst du dir und deinen Erben, wenn du auf den gängigen Backup-Mechanismus mittels Seed-Phrase zurückgreifst.

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Marc Steiner
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Digital-Experte & Bitcoin-Beratung

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